Student_innenverbindungen und Burschenschaften an der Uni Köln

die reaktionären Kinder der deutschen „Revolution“

An der Uni Köln gibt es etwa 30 Student_innenverbindungen. In die Uniöffentlichkeit trauen sich diese allerdings eher selten. Solange man nicht das Pech hat, in der Nähe eines Burschenschafts- oder Verbindungshauses zu wohnen, kann man die Herren in den albernen Uniformen (meistens sind keine Damen zugelassen) höchstens am Erstsemester_inneninfotag betrachten.

Die Verbindungen können nach folgenden Kriterien grob gegliedert werden: 1. Danach, ob die Verbindung schlagend oder nichtschlagend ist. Das heißt, ob ihre Mitglieder die Mensur fechten (rituelles Fechten, bei dem sich die Mitglieder ihre Schmisse holen) oder nicht. Bei den Schlagenden ist noch zu unterscheiden zwischen pflichtschlagenden und den fakultativ (also freiwillig) schlagenden Verbindungen. 2. Danach, ob die Verbindung farbentragend oder nichtfarbentragend ist. Also danach, ob die Korporationsmitglieder die Farben des Verbindungswappens in Form von Uniform, Bändern und Mützen zu bestimmten Anlässen am Körper tragen oder nicht. 3. Danach, ob die Verbindung konfessionell gebunden ist oder nicht.

Auch wenn es vereinfacht ist, ist es nicht ganz falsch zu sagen, dass in der Regel Verbindungen, die nicht farbentragend sind, weniger reaktionär sind als die Farbentragenden. Diejenigen, die nichtschlagend sind, sind weniger reaktionär als die Schlagenden. Praktisch alle schlagenden Verbindungen sind zugleich farbentragend.

Obwohl sich die Burschenschaften zu ihren Zielen auf ihren Homepages eher wortkarg geben, lässt sich aus ihrer Mitgliedschaft in Dachverbänden doch recht viel über die politische Ausrichtung dieser Gruppen herausfinden. So sind in Köln drei Burschenschaften Mitglieder des Dachverbands „Deutsche Burschenschaft“ (DB), und zwar die „Kölner Burschenschaft Alemannia“, „Kölner Burschenschaft Germania“ und die „Kölner Burschenschaft Wartburg“. Ihr Wahlspruch lautet „Ehre – Freiheit – Vaterland”. Es werden keine Frauen, Ausländer, Homosexuelle und Kriegsdienstverweigerer aufgenommen. Die DB wird von einer völkisch-nationalistischen Politik bestimmt. So fordert die DB zum Beispiel die Rückgabe der im zweiten Weltkrieg verlorenen deutschen Ostgebiete. Die meisten DB-Burschenschaften verfügen über gute Kontakte zu neonazistischen Kreisen oder sind selbst diesem Lager zuzuordnen. Veranstaltungen mit NPD-Funktionären in Burschenschaftshäusern sind an der Tagesordnung. Die „Kölner Burschenschaft Germania“ etwa bekennt sich in ihrem Selbstverständnis freimütig dazu, alle drei Strophen des Deutschlandliedes zu singen und ein lockeres „Von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt“, ebenso wie „Deutschland über alles“, aus ihrem Haus erschallen zu lassen.

Aber auch andere Verbindungen, die sich etwa unter dem Dachverband „Coburger Convent“ zusammengeschlossen haben, sind pflichtschlagend und farbentragend. In Köln sind etwa die „Landsmannschaft Macaria“ und die „Turnerschaft Merovingia-Zittavia“ Mitglied dieses Dachverbandes.

Die Universität verweist auf ihrer Homepage im Bereich der privaten Wohnheime unter anderem auch auf verschiedene Burschenschaften und Verbindungen hin, die Zimmer anbieten. Es sollte klar sein, dass es sich bei diesen keineswegs um ideologisch wertfreie „Wohnheime“ handelt, wie auf der Internetseite der Universität suggeriert wird. Darüber hinaus verweist die Universität auch im Bereich Hochschulgruppen auf Verbindungen und Burschenschaften. Wir, campus:grün, haben im vergangenen Semester einen offenen Brief an das Rektorat verfasst, in dem wir diesen Umstand kritisieren und die sofortige Streichung der Burschenschaften aus der Wohnheim-Liste verlangen.

Der Kampf gegen diese politisch zweifelhaft motivierten und patriarchal organisierten studentischen Zusammenschlüsse kann aber nicht nur über solche Verbote laufen. Es bedarf vielmehr permanenter Öffentlichkeitsarbeit, um auf das Treiben dieser Verbindungen hinzuweisen und ihm Einhalt zu gebieten. In anderen Städten haben ASten sogenannte „Burschireader“ erstellt, die die Aktivitäten von Verbindungen aufdecken. Auch für Köln wäre ein solcher Reader mit Sicherheit lohnenswert.

Erschienen in der grün:fläche WiSe 2010/11

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